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Mittelstand: An Compliance (Schulungen) führt kein Weg vorbei

Auch der Mittelstand muss sich mit einer wachsenden Zahl gesetzlicher Auflagen zur Ahnung von Wirtschaftskriminalität auseinandersetzen. Diese haben häufig Auswirkungen auf alle Beschäftigten. Schulungen, oft mit Nachweispflicht, müssen sicherstellen, dass diese Gesetze im Tagesgeschäft befolgt werden, dass also „compliant“ gehandelt wird. Was sind die Compliance-Herausforderungen für den Mittelstand und wie können Schulungen gestaltet werden, damit Beschäftigte gesetzeskonform handeln?

Die Rolle des Mittelstandes in der deutschen Wirtschaft

Laut dem Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V. (BVMW) ist der Mittelstand nach wie vor die tragende Säule der deutschen Wirtschaft. Über 99% der Unternehmen in Deutschland gelten als kleine und mittlere Unternehmen (KMU), das sind in absoluten Zahlen 3,5 Millionen Unternehmen. Über 50% aller versicherungspflichtigen Beschäftigten arbeiten in KMUs und mehr als 90% der deutschen Exporteure sind Klein- und Mittelständler gemäß der offiziellen Größendefinitionen der Bundesregierung bzw. der EU-Kommission.

Mittelstand und Compliance

Gerade weil der Mittelstand eine derart zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft spielt, muss sich dieser auch zunehmend mit regulatorischen Themen beschäftigen, Stichwort „Compliance“. Da der Mittelstand zum Beispiel zunehmend in internationalen Lieferketten tätig ist, müssen auch KMUs  internationale Export- und Sanktionsregelungen befolgen. Aber auch andere Gesetze stellen einen wachsenden Blumenstrauß an gesetzlichen Compliance-Regelungen dar, mit denen sich der Mittelstand auseinandersetzen muss: Zum Beispiel das Geldwäsche-Gesetz, der Corporate Governance Kodex (DCGK), das  Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG), das Lieferkettengesetz oder das Verbandssanktionengesetz, das Straftaten von juristischen Personen und Unternehmen deutlich drastischer ahnden wird als das bisherige Ordnungswidrigkeitsgesetz.

Eine Nichtbeachtung gesetzlicher Vorschriften durch Korruption, Absprachen, unlauteren Wettbewerb und Co. kann also nicht nur den Unternehmensruf gefährden, sondern auch zu empfindlichen Strafen führen. Beides kann das Geschäftsmodell und damit die Existenz von Unternehmen gefährden. Deshalb wird bei vielen Gesetzen strafmildernd berücksichtigt, wenn die betroffene Organisation entsprechende Vorkehrungen nachweisen kann, die Compliance-Verstöße verhindern sollen, z.B. ein Compliance Managementsystem (mit den drei klassischen Säulen Vorbeugen, Erkennen und Reagieren) und entsprechende Pflichtschulungen interner Risikogruppen bzw. aller Beschäftigten.

In einer Studie der Hochschule Konstanz, Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Compliance (DICO) zum Mittelstand und Compliance, gaben die befragten KMUs an, dass sie zur Prävention hauptsächlich auf folgende Maßnahmen setzen: Vorleben durch die Unternehmensleitung, Verhaltenskodex, Risikoanalyse, Besprechung konkreter Fälle und Unternehmensleitbild. Erst danach kommen Schulungen und interne Prüfungen. Auch eine Deloitte Studie zu Compliance und Mittelstand von vor 10 Jahren zeigt bei den Präventionsmaßnahmen ein ähnliches Bild, bei dem Schulungen und formalisierte Compliance Managementsysteme neben dem Vorleben und Verhaltenskodizes mittlerweile eine deutliche größere Rolle spielen, um Enthaftung, Deliktvermeidung und Reputationssicherung zu gewährleisten.

Schulungen als Werkzeug zur Schaffung einer gelebten Compliance Kultur

Mittlerweile hat sich die Compliance-Diskussion weg von einem Fokus auf die Vermeidung von Straftaten hin zu einem werteorientierten Fokus auf die Unternehmenskultur bewegt. Bei diesem  Fokus spielt gelebte ethische Integrität und Legalität in den Köpfen aller Beschäftigten eine entscheidende Rolle. Der Nutzen einer solchen gelebten Compliance-Kultur beschränkt sich nicht nur auf die Vermeidung von Straftaten und deren negativen Folgen, sondern hat positive Auswirkungen zum Beispiel auf das Corporate Branding, die Produktivität und die Bindung von Beschäftigten an das Unternehmen.

Doch wie motiviert man alle Beschäftigten, beim Thema Compliance mitzumachen und sich informiert zu halten und Compliance im Arbeitsalltag zu leben. Eine Maßnahme ist sicherlich der „tone from the top“ also das Vorleben durch die Unternehmensleitung. Die häufig familiengeführten und die flachen Hierarchien von KMUs eignen sich besonders gut für die Vorbild-Funktion, da Unternehmensleitung und Beschäftigte häufigen und engen Kontakt haben. Beschäftigte müssen allerdings auch aktiv ins Compliance-Boot geholt werden, indem Sie sich das für sie relevante Wissen zu Compliance-Themen aneignen können.

Herausforderung Compliance-Schulungen im Mittelstand

Für den Mittelstand stellt die Aufgabe, Compliance-Wissen als aktive Handlungskompetenz in die Köpfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen, eine besondere Herausforderung dar. Anders als Großunternehmen weisen KMUs in der Regel eine geringere funktionale Arbeitsteilung und Organisationstiefe auf. Es gibt weniger Querschnittsfunktionen, die sich dezidiert um Qualifizierungsthemen kümmern können, weil auch die Personaldecke dünner ist. Weiterbildung erfolgt im Mittelstand deshalb eher spontan und bedarfsgetrieben. Auf der anderen Seite nehmen gerade bei Compliance- und Sicherheitsthemen die Nachweispflichten für Schulungen zu. Diesen Spagat zu meistern, ist eine der Herausforderungen im Mittelstand.

Online-Schulungen als Weg zu einer gelebten Compliance-Kultur im Mittelstand

Neben Präsenzschulungen, die häufig Arbeitszeit- und Ressourcen-intensiv sind, bieten sich bei Compliance-Themen Online-Trainings an. Derartige Lernprogramme können auch mit einführenden Präsenzveranstaltungen oder Webkonferenzen kombiniert werden, bei denen die Geschäftsleitung die Zielgruppe zum Thema Compliance und bei Bedarf auch zum Thema Selbstlernen abholen und einbinden kann. Online-Kurse zu Compliance Themen besitzen aufgrund der Besonderheiten von KMUs Eigenschaften, die sie als Schulungslösung für den Mittelstand attraktiv machen.

Sie sind:

  • als Standardkurse schnell verfügbar, können also sehr spontan eingesetzt werden.

  • kostengünstig in der Anschaffung und machen sich anders als bei Präsenzschulungen durch ihre dauerhafte Verfügbarkeit schnell bezahlt.

  • dadurch auch als Arbeitsplatzhilfe und zur Auffrischung immer verfügbar, ohne dass sie Personalressourcen beanspruchen.

  • als gut gemachte Standardkurse anpassbar und arbeiten mit praxisorientierten Fallbeispielen, sodass sie schnell im Arbeitsalltag anwendbar sind.

  • anders als Präsenzveranstaltungen von gleichbleibender Qualität.

  • erfordern bei einer vom Anbieter gehosteten Lösung keine eigenen technischen Ressourcen.

Zusammengefasst heißt das:

Online-Schulungen sind deshalb für KMUs besonders gut geeignet, weil sie mit einer niedrigen finanziellen und technischen Einstiegsschwelle eine schnelle, flächendeckende und dokumentierte Compliance-Sensibilisierung aller Beschäftigten ermöglichen. Wahlweise können diese Online-Trainings mit Live-Maßnahmen wie eine Einführungsveranstaltung, tutorielle Begleitung oder vertiefende Workshops für besondere Risikogruppen ergänzt werden.