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Learning Experience Platform: Vom Lern-Erlebnis zum individuellen Lernpfad

Was ist eine Learning Experience Platform?

Eine Learning Experience Platform – kurz: LXP – ist eine Software, die Lernenden personalisierte Lernerfahrungen bieten kann. Durch zielgerichtete, passgenaue Angebote soll Lernen zum Erlebnis für die Nutzenden werden. Eine spannende und relevante Auswahl von Lerninhalten soll die Lernenden motivieren, von sich aus die LXP zu nutzen (intrinsische Motivation).

Besonderheiten von Learning Experience Platformen

Bei LXP’s steht vor allem das individuelle Lerninteresse des jeweiligen Lernenden im Fokus und weniger die organisatorischen Anforderungen des Unternehmens bzw. der Einrichtung. Typischerweise bietet eine LXP dynamisch angepasste Lernpfade. Hierdurch lassen sich etwa definierte Karriereziele Schritt für Schritt erreichen. Ändern sich die Interessen, Kenntnisse oder Anforderungen des Lernenden, wird der Lernpfad automatisch angepasst. Zum Teil kommen hierfür bereits Algorithmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Ziel ist es, den Nutzenden diejenigen Inhalte vorzustellen, welche für seine oder ihre Interessen und individuelle Weiterbildung in diesem Moment am passendsten erscheinen. Idealerweise werden diese Inhalte auch gleich in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht – so entsteht ein Lernpfad.

Die Trennung zwischen Lehrenden und Lernenden wird innerhalb einer LXP aufgeweicht: Erfahrene Lernende können als Expert:innen in einem bestimmten Bereich anderen Lernenden zur Seite stehen oder selbst Lerninhalte bereitstellen. Die Lernenden haben zudem die Möglichkeit, Lerninhalte zu bewerten oder zu empfehlen. Auf der Basis der jeweiligen Interessen und Weiterbildungsziele kann die LXP diese Bewertungen wiederum nutzen, um ähnlichen Lernern Lerninhalte vorzuschlagen.

Welche Vorteile bietet eine LXP?

Im Gegensatz zu „klassischen“ Lernmanagement-Systemen (LMS) stehen bei einer LXP klar die individuellen Lernenden im Fokus.

  • Die Interessen und persönlichen Lernziele der Lernenden bestimmen die Auswahl der Lerninhalte. Hierdurch wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Lernende von sich aus regelmäßig mit der LXP lernen.

  • Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Fokussierung der LXP auf Lernen als (positiv empfundenes) Erlebnis.

  • Durch Interaktion mit anderen Lernenden und Lerninhalten, bspw. in Form von Apps, verschiebt sich Lernen von einer „lästigen Pflicht“ am PC hin zu einem unterhaltsamen, motivierenden Erlebnis – jederzeit und überall.

  • Eine weitere Stärke von LXP ist die Integration von Lerninhalten aus unterschiedlichen Quellen (bspw. verschiedenen LMS) praktisch „unter einem Dach“. Durch ein einheitliches „look&feel“, erleben die Lernenden eine Vielzahl von heterogenen Lerninhalten als einfach zugängliches und „bruchloses“ Gesamt-Lernerlebnis.

In welchem Verhältnis stehen LXP und LMS?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, da es sowohl sehr unterschiedliche LXP wie auch sehr unterschiedliche LMS gibt. Zudem verschwimmen die technischen Grenzen zwischen den beiden Arten von Software, sobald ein LMS mit Features eines LXP ausgestattet wird und umgekehrt. Manche Lernexpert:innen gehen sogar so weit zu sagen, dass der Begriff LXP lediglich der besseren Vermarktung von bereits vorhandenen Lösungen dient.

Möchte man die beiden Arten von Software dennoch unterscheiden, so könnte man sagen, dass ein LMS primär der Verwaltung und Auswertung von Lerninhalten dient. Hier stehen die Interessen des Unternehmens bzw. der Einrichtung im Vordergrund – oder sind zumindest denjenigen der Lernenden gleichgestellt. Zwar zielen auch moderne LMS auf ein möglichst motivierendes und einfaches Lernerlebnis ab, dennoch steht in der Praxis die Verwaltung von Lerninhalten und die gezielte Auswertung von Lernergebnissen (bspw. zur Erlangung von Zertifikaten) mehr im Vordergrund. Das LMS ist üblicherweise daher auf die interne Organisation bzw. die Bedürfnisse des betreibenden Unternehmens hin ausgerichtet und konfiguriert. Eine LXP geht darüber hinaus, indem die einzelnen Lernenden in den Fokus gerückt werden. Dabei müssen sich beide Ansätze nicht ausschließen.

  • Im Gegenteil: Zunehmend werden LXP-Features als Ergänzung zu vorhandenen LMS gesehen, um das individuelle Lernerlebnis und die intrinsische Motivation von Lernern zu verbessern. Die Frage lautet somit nicht „LXP oder LMS?“. Vielmehr müssen Organisationen prüfen, welche Formen von Lernen für sie infrage kommen. Basierend auf dem konkreten Bedarf kann dann ein LMS (ggf. mit zusätzlichen LXP-Features), eine LXP oder auch eine Kombination aus beiden Ansätzen die beste Lösung darstellen.