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Der Nutzen von Problembasiertem e-Learning

Wie gut ein bestimmter Sachverhalt gelernt werden kann, hängt von einigen Faktoren ab. Ein entscheidendes Qualitätskriterium ist, dass die Lebenswelt der Lernenden in den Lernprozess mit einbezogen wird. Denn schon im Lernprozess muss ein Zusammenhang zu bekannten und konkreten Anwendungsszenarien hergestellt werden, um einen nachhaltigen Wissenstransfer zu schaffen.

Das bekannte Gegenteil der konstruktivistischen Lerntheorie – der Frontalunterricht

Neuere Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie, Linguistik und Informatik haben in den vergangenen Jahren zu einem veränderten Verständnis über die Abläufe beim Lernen geführt. Sie alle verweisen auf die Erkenntnis- und Lerntheorie des Konstruktivismus. Das bedeutet, dass das Lernen und die Lernenden mehr im Mittelpunkt stehen als das Lehren.

Methoden, in denen das Lehren im Fokus steht, kennen viele aus dem Schulunterricht. Der sogenannte Frontalunterricht besteht meist aus einem Lehrvortrag oder Folien und dient als vorbereitende Schulung. Diese Methode gilt inzwischen als veraltet. Das liegt vor allem am Nutzen der Methode. Der Lehrende verfügt über viel Wissen, welches er gerne weitergeben möchte. Jedoch fehlt durch die einseitige Art der Kommunikation der Praxisbezug und sorgt bei Lernenden für eine fehlende Transfermöglichkeit. Es bleibt „träges“ und nicht nachhaltiges Wissen, da das Gelernte nicht mit Praxissituationen und Vorwissen verknüpft werden kann. Eine Anpassung der Lehrmethode hin zum Konstruktivismus kann durch das eigenständige und problembasierte Lernen zu einem nachhaltigeren Wissenstransfer sorgen.

Was bedeutet Konstruktivismus?

In der Pädagogik bezieht sich der Konstruktivismus darauf, dass Menschen durch das Lernen und Erleben ihre individuelle Lebenswelt konstruieren. Was gelernt wird, hängt also von dem Lernenden und bisherigen Erfahrungen ab. Das bedeutet auch, dass nicht die reine Vermittlung von Wissen im Vordergrund steht, sondern die Fähigkeit, Wissensnetze aufzubauen.

Die Theorie des konstruktivistischen Lernens

Die Lernenden sollen im Sinne der konstruktivistischen Lerntheorie im Mittelpunkt stehen. Sie sind dabei aktiv und können das Lerngeschehen auch relativ selbstständig kontrollieren beziehungsweise steuern. Wichtig ist, dass die Lernenden in der Lage sind, Lernstrategien selbstständig anzuwenden und Informationen zu hinterfragen. Auch der Gestaltung der Lernumwelt kommt eine große Rolle zu, denn Lernsituationen sollten möglichst nah am Arbeitsalltag sein – ob durch das direkte Lernen in der Arbeitsumgebung, virtuellen Welten oder das Nutzen von konkreten Fallbeispielen. Um Lernende für diese Aufgaben zu motivieren, müssen diese Beispiele das Interesse wecken und eine Relevanz für den späteren Anwendungsbereich darstellen.

Dadurch wird die intrinsische Motivation der Lernenden aktiviert und ein eigenes Interesse entwickelt, sich mit den Aufgaben auseinanderzusetzen. Zusätzlich sollte die Lernsituation beziehungsweise die Lernumwelt so authentisch wie möglich sein, damit die gestellten Aufgaben den späteren Aufgaben in realen Anwendungssituationen ähnlich sind. Das bedeutet, dass hier das Transfermanagement mit dem Fokus auf den Anwendungsbezug im Vordergrund steht.

Nutzen von Problembasiertem Lernen in der betrieblichen Weiterbildung

In der pädagogischen Literatur wird die Bedeutung von Problembasiertem Lernen gerade für den schulischen Unterricht und das Lernen von Kindern und Jugendlichen besonders oft diskutiert. Aber auch in Bezug auf die Berufsbildung und die allgemeine Erwachsenenbildung bekommt diese Form der Handlungsorientierung einen besonderen Stellenwert, da das Problembasierte Lernen meist direkt im Rahmen der berufsqualifizierenden Ausbildung und der betrieblichen Fort- und Weiterbildung stattfindet.

In einer digitalen Schulung für Techniker sollen die Lernenden bestimmte Handgriffe bei der Reparatur von Telefonanlagen erlernen. Setzt man hier realitätsnahe Beispiele ein und konfrontiert die Lernenden mit möglichen Problemen, können sie sich besser in die Situation hineinversetzen. Durch Beispiele und den Problembasierten Ansatz werden die Lernenden befähigt, bestimmte konkrete Fertigkeiten und Qualifikationen zu erwerben. Dies dient also dem direkten Kompetenzerwerb, der im beruflichen Alltag benötigt wird.

Leider ist in der Praxis oft noch ein großer Unterschied zwischen dem Wissen bei den Lernenden und der Anwendung im beruflichen Alltag zu erkennen. Diese Kluft wird vor allem bei akademisch geprägten Berufen deutlich, da es den Lernenden trotz der langen Ausbildung häufig an Kompetenzen bei der Beurteilung, Diagnose oder Bewältigung von authentischen Fällen und Handlungssituationen mangelt. Das heißt, es fällt ihnen schwer ihr Wissen aus der Ausbildung oder dem Studium auch in der alltäglichen beruflichen Praxis anzuwenden. Genau deshalb wird das problembasierte Lernen immer mehr eingesetzt – um dieser Kluft entgegenzuwirken und transferierbares Wissen zu erzeugen.

Anwendungsbereiche des Problembasierten Lernens

Das Problembasierte Lernen wurde ursprünglich für Lerngruppen an Universitäten – vor allem für den medizinischen Bereich – entwickelt. Es lässt sich aber auch hervorragend in anderen Anwendungsbereichen nutzen.

Gerade in Blended-Learning Lösungen lässt sich diese Lernform sehr gut einsetzen, da sich die Lernenden zum einen eigenständig mit den Lernmaterialen auseinandersetzen müssen und zum anderen die Problemlösefähigkeiten in der Gemeinschaft beziehungsweise mit einer Lernunterstützung anwenden können. Aber auch durch die Entwicklung von virtuellen Welten oder durch das Nutzen von konkreten und ausgewählten Fallbeispielen kann das Problembasierte Lernen in der digitalen Lehre eingesetzt werden. Dadurch benötigt das Problembasierte Lernen weniger Ressourcen und kann auf die Bedürfnisse der Lernenden angepasst werden und so eine nachhaltige Weiterbildung gewährleisten.